Die Welt wird immer komplizierter, die Rechtsvorschriften auch, und es gibt immer mehr Berater, auch Anwälte. So lapidar könnte man es sehen. Die Juristen selbst beschwören seit Jahren die sog. Anwaltsschwemme, also einen Überschuß von Volljuristen, die mangels anderweitiger Beschäftigungsmöglichkeiten in Staatsdienst, Wirtschaft und Justiz ihr Heil in der Anwaltschaft suchen.
Schon in einer Denkschrift der Deutschen Anwaltskammervorstände (um 1890) findet sich eine Warnung vor einer Anwaltsschwemme. Schon seinerzeit gab es Ängste, dass eine Anwaltsschwemme
\"die Pfiffe und Kniffe der Schikane und die Kunst der Umgehung der Gesetze beibringt, Zeugen bearbeitet, Meineid hervorruft,\"
Auch 1996 wurde sie schon beschworen:
www.kommunikationsverein-hamburger-juristen.de/1996/rs1996_10.htm
später erst recht. Tatsächlich steigen die Zulassungszahlen rasant:
www.brak.de/seiten/pdf/Statistiken/GesamtzahlenRAeGrafik.pdf
Die Anwaltsschwemme ist aber jetzt auch an allem Schuld. Ein Amtsrichter hält sie für die Ursache der Belastung der Justiz (und nicht wie zutreffender wäre: die Stelleneinsparungen):
\"Das liegt natürlich auch an der derzeitigen Anwaltsschwemme. Jeder Rechtsanwalt versucht, seinen Fall auch auf jeden Fall zu führen. Fälle werden kompliziert gemacht.\"
Das Problem ist weniger die Zahl der Rechtsanwälte als die Tatsache, dass die meisten Berufsanfänger nicht aus Berufung, sondern aus Not Anwälte geworden sind. Und dass die meisten erst nach der Ausbildung erkennen, dass sie sich auf den Anwaltsberuf schon während der Ausbildung besser hätten vorbereiten müssen. Große Kanzleien stellen nur Prädikatsjuristen ein, kleinere und mittlere Kanzleien suchen Änwälte, die sich selbst ernähren können, also Partner und Mitunternehmer, und weniger solche, die als Angestellte zuarbeiten. Das macht nämlich auf Dauer beide Seiten nicht glücklich.
Michael W. Felser
Rechtsanwalt
Felser Rechtsanwälte und Fachanwälte
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